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Samstag, 29. März 2014

Marktbummel. Bangkok.

Der letzte Abend in Bangkok liegt schon hinter mir: ein letzter Drink in einer der coolsten Bars der Stadt - im State Lebua Hotel findet man auf dem Dach die spektakuläre "sky bar"! What a feeling: Ein Thaijito im Freien, auf der Dachterrasse des 58. Stockwerks, ein romantischer Sonnenuntergang und tief unten das brodelnde Leben Bangkoks, das sich für den Abend bereit macht. Berauschend!




Jetzt ist es früh am Morgen, die Drinks vom Abend machen mir noch etwas zu schaffen, aber es sieht aus, als ob es Bangkok mir leicht macht... Es ist nämlich bewölkt, schwül, die Stadt ungewohnt grau. Vielleicht ist sie aber auch nur so grau, weil es mein letzter Tag ist - der Abschied von den Farben, den Gerüchen, vor allem der Abschied von den Menschen fällt mir da minimal leichter… Mein Flug geht erst am frühen Nachmittag, es bleibt noch genügend Zeit für ein kleines, letztes Abtauchen in all das, was ich dann für längere Zeit wieder vermissen werde. Ich verzichte auf mein Hotelfrühstück und mache mich auf den Weg.




Der Markt vibriert schon, obwohl es erst kurz nach sieben Uhr am Morgen ist. Die Marktfrauen haben ihre Gaskocher bereits angeheizt, die Waren sind schon säuberlich aufgereiht, die Einwohner des Innenstadtviertels von Bangkok decken sich mit allem ein, was sie so brauchen. Gemüse vor allem, in einer Auswahl, die einen begeistert. Frisch, absolut frisch ist das Angebot.


Was mich immer noch und immer wieder überrascht, ist der hemmungslose Gebrauch von Plastiktüten - alles, wirklich alles wird in mehr oder weniger große Plastiktüten eingepackt. Die Mangos in fertigen Portionen, die Äpfel immer in Dreier-Packungen, der Reis mit Fleisch und Gemüse als kleines, schnelles Frühstück aus der Tüte und sogar das Wasser in der Plastikflasche wird dem Kunden sicherheitshalber in einer Plastiktüte überreicht.

Alltag auf dem Markt. Der alte Mönch im Rollstuhl bettelt nicht. Die Menschen kommen zu ihm, überreichen ihm kleine Tüten mit feinen Speisen und bitten um seinen Segen. Für den Tag. Für ihre Lieben. Er spricht mit ihnen, für jeden hat er ein paar Worte. Sein Segen kommt von Herzen.




Die Marktfrau mit dem dem besten Fleisch hat den größten Andrang: ihre Hühner, egal ob gekocht oder gebraten, schauen einfach gut und lecker aus! Ihr Schweinefleisch ist durchgebraten und hat eine Kruste, auf die jede fränkische Hausfrau stolz wäre. Alles wird in mehr oder weniger kleinen Portionen verkauft - Thais kochen extrem selten zu Hause selbst, es ist einfacher, wenn sich jeder sein Essen direkt auf der Straße kauft, sobald sich der Hunger meldet. 





Mein kleiner Markt bietet sogar so eine Art Frühstücksbuffet! In einer langen Doppelreihe reiht sich eine warme Leckerei an die andere. Man sucht aus, man kombiniert Currys, Fisch, Reis, Fleisch ganz nach eigenem Gusto! Vorne wird verkauft, hinten gekocht - das Vorbild für das bei uns so beliebte 'show cooking'!




Es gibt hier zwar nicht die amtlichen Hygiene-Standards wie in Singapur und ich wundere mich nach all den Jahren immer noch, wie das rohe Hähnchenfleisch, ja sogar Leber in dieser Hitze sich halten. Aber mir fällt auch auf, dass ich in 20 Jahren Essen in Thailand, in kleinen Restaurants, an Straßenstränden und selbst bei mobilen Verkäufern am Strand noch nie ein Problem hatte. Vielleicht braucht man nur eine Grundimmunisierung an Bakterien und dann geht’s schon? Egal, jetzt brauche ich ein kleines Frühstück. Meinen Orangensaft presst mir die alte Dame frisch und direkt aus ihren Früchten. Fisch am frühen Morgen, auch wenn er sehr lecker aussieht, muss nicht sein...



Meine Mango wird vor meinen Augen geschält und in netten Streifen präsentiert, die Ananas ist schon fertig. Genuss pur! Zum Abschluss noch ein Kaffee bei einem der neuerdings so häufig anzutreffenden mobilen Kaffee-Bars. Sie haben frischen Kaffee, der für den Kunden gemahlen wird, dann wird er in einer Maschine frisch gebrüht, mit Kondensmilch, Sahne und Zucker abgeschmeckt, über Eiswürfel gegossen: Iced Coffee, wie ich ihn liebe. So gestärkt kann mein Bummel weitergehen. Stände mit Kleidern, Uhren, Unterhosen und Lippenstiften! Alles keine Kopien von Westprodukten für die Touristen, sondern Ware für den täglichen Gebrauch der Einheimischen. Dementsprechend niedrig sind die Preise - die gesamte Menge der angebotenen Nagellacke kostet meiner vorsichtigen Schätzung nach wahrscheinlich nicht so viel wie ein einziger echter Chanel- oder OPI-Edel-Lack. Gut, das brauche ich sowie weniger, aber mich gelüstet nach was anderem.




Vorne am Eingang gibt es eine mobile Garküche mit einer meiner Lieblingsspeisen: Süßes! Die üblichen Thai-Desserts sind vor allem bunt, quietsch-süß und nicht unbedingt mein Fall. Aber diese kleinen Leckereien aus einem knusprigen Teig und feiner Schaumcreme haben es mir angetan - zwar auch süß, aber mit einem Hauch Chili! Oh, Mann, das gefällt mir! Wer braucht da ein amerikanisches Frühstücksbüffet im Hotel!?




Satt, zufrieden und mit einem Lächeln der Verkäuferin verabschiedet, der es gefallen hat, wie sehr mir ihre kleinen Naschereien geschmeckt haben, verlasse ich den Markt. 
Bangkok, sein Essen und seine Menschen werden mir fehlen.